Beschreibung
Reclaiming Two-Spirits von Gregory D. Smithers ist ein tiefgründiges, berührendes und historisch wichtiges Buch, das sich mit der Geschichte, Marginalisierung und vor allem dem Wiederaufleben der Two-Spirit-Identität in indigener nordamerikanischer Kultur beschäftigt. Für mich war die Lektüre nicht nur informativ, sondern auch bewegend – weil sie zeigt, wie Geschlecht, Sexualität, Spiritualität und Körperwissen in vielen indigenen Traditionen schon lange auf eine Weise gedacht wurden, die weit über das westliche binäre Denken hinausgeht.
Smithers schreibt mit großem Respekt und Sorgfalt, ohne zu romantisieren oder zu vereinnahmen. Er lässt vor allem auch Two-Spirit-Stimmen selbst sprechen. Besonders beeindruckend finde ich, wie klar wird, dass Two-Spirit nicht nur eine Identität ist, sondern auch eine Rolle innerhalb der Gemeinschaft – eine, die historisch mit Heilung, Übergangsritualen, Sexualität, Verbindung zur Natur und spirituellem Wissen verknüpft war (und zunehmend wieder ist).
Für mich als jemand, der sich mit Körperarbeit beschäftigt, ist das Buch deshalb auch auf einer tieferen Ebene relevant: denn es öffnet den Blick für Körperwissen und sexuelle Ausdrucksformen, die nicht nur individuell, sondern auch kulturell, spirituell und kollektiv gedacht werden. Es stellt die Frage: Wie können wir in unserer Arbeit Räume schaffen, in denen queere, nicht-binäre, indigene und kulturell vielfältige Körpergeschichten Platz haben – jenseits von westlichen therapeutischen Modellen?
Reclaiming Two-Spirits erinnert mich daran, wie wichtig es ist, mit Demut und Offenheit zu arbeiten – und mit dem Bewusstsein, dass Körper nicht nur anatomisch, sondern auch geschichtlich, politisch und spirituell geprägt sind. Dieses Buch hat mir geholfen, meinen Blick zu erweitern und ich würde es allen Sexological Bodyworker:innen empfehlen, die Lust haben, neue Perspektiven einzuladen und tiefer in die Verflechtungen von Körper, Identität und Kultur einzutauchen.